«Es gibt keine Resistenzen, wenn man diese Therapien richtig befolgt»

Shownotes

Moderne HIV-Therapien gelten heute als medizinischer Durchbruch. Wer die Therapie konsequent befolgt, entwickelt keine Resistenzen und kann ein langes, stabiles Leben führen. Wie tiefgreifend sich die Situation verändert hat, zeigt eine Szene aus den Neunzigerjahren, an die sich Huldrych Günthard erinnert: Als die ersten Kombinationstherapien wirkten, «sind Menschen wieder aus Sterbehospizen zurückgekehrt». Ein Wendepunkt, der die medizinische Entwicklung greifbar machte.

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00:00:03: HIV ist heute gut behandelbar und doch bleibt das Leben mit der Diagnose vielschichtig.

00:00:10: Wie erleben Menschen, dass älter werden mit HIV, wenn neben der Therapie auch Begleiterkrankungen eine Rolle spielen?

00:00:18: Was bedeutet es, psychisch stabil zu bleiben, wenn Stigmatisierung, Angst oder Einsamkeit belasten?

00:00:26: Und welche Kraft können Resilienz und Piersupport geben?

00:00:31: Warum ist die Therapietreue so entscheidend und welche neuen Chancen eröffnen moderne Medikamente?

00:00:39: Mein Name ist Kurt Eschbacher und auch ich verlor in den Achtzigerjahren viele Freunde, die an AIDS gestorben sind.

00:00:48: Andere Betroffene von damals leben heute mit HIV ein erfülltes Leben.

00:00:55: Herzlich willkommen zu diesem Podcast über HIV, das älter werden und wie sich das Leben und die Medizin verändert

00:01:02: haben.

00:01:09: In unserem zweiten Gespräch rund um HIV möchten wir einen Blick zurück auf die Fortschritte der Behandlung dieser Krankheit seit dem Ausbruch der AIDS-Epidemie in den Achtzigerjahren werfen, aber auch die Chancen und Grenzen neue Medikamente beleuchten.

00:01:26: Ich bin heute zu Gast bei Prof.

00:01:28: Huldrich Günthardt.

00:01:30: Er ist stellvertretender Direktor der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Zuschauer Unispital.

00:01:38: Er Günthardt, Juni, in den USA erstmals von einer mysteriösen Erkrankung von homosexuellen Männern.

00:01:49: berichtet.

00:01:50: Der Erreger wurde zwei Jahre später isoliert, aber die Eizepithemie schlug noch jahrelang nahmlos zu und kostete Millionen von Menschen den Tod.

00:02:01: Was bedeutete für Sie, Sie sind seit Anfang an interessiert an diesem Virus, die Entdeckung des HIV-Virus.

00:02:10: Ja, ich war in der Zeit, als das Virus entdeckt wurde, war ich gerade in der Continental-Motorität schon der Verwachsene, also ich machte in der Matur nach auf dem zweiten Bildungsweg und ich war damals schon ziemlich an Biologie interessiert und eben da kam das so in den Medien und es war einfach interessant, aber damals konnte ich selber noch nicht sehr viel daraus machen.

00:02:35: Aber ich habe dann immer wirklich die Berichte gelesen, einfach in den Medien, im Radio gehört, was da abgegangen ist und ich habe relativ schnell erkannt, dass das etwas wirklich Größeres ist.

00:02:48: Das hat man gemerkt, obwohl ich damals ja medizinisch noch keine Ahnung hatte.

00:02:52: Dann bin ich einfach dran geblieben, nachher habe ich ja Medizin studiert und da bin ich irgendwie immer näher gekommen oder es ist immer näher zu mir gekommen.

00:03:00: Und so richtig, damit in Kontakt bin ich dann im Waldstudienjahr gekommen, als ich in Winterthur drei Monate auf der inneren Medizin war und dann meine ersten Rätselfälle gesehen habe, um mitbetreut habe.

00:03:14: Und das war dann schon enorm eindrücklich, einfach plötzlich dann das Krankheitsbild zu sehen, obwohl es sind ja eigentlich viele Bilder, wo man vorher als immer so aus den Medien gehört hat.

00:03:28: Es gab ja dann rund um die Entdeckung des Virus, ein Streit zwischen dem Franzosen Luc Montagnier und dem amerikanischen Forscher Roberto Gallo.

00:03:40: Und zwar ging es um, wer hat das Virus zuerst entdeckt?

00:03:44: Aufgrund ihrer Erfahrung ging es damals um Geld oder ging es um Ehre?

00:03:49: Ja, ich weiß, ich war nicht so nah dran, um das wirklich sagen zu können.

00:03:55: Aber es ging sicher um Ehre.

00:03:57: Also da bin ich sicher.

00:03:58: Das war schon eine große Sache.

00:04:00: Wer ist der erste, der das Virus entdeckt?

00:04:06: Ich glaube, das war damals den Leuten schon irgendwo.

00:04:10: Zumindest klar, dass das einer Beelbrei sein könnte.

00:04:13: Das war ja die Basis von der ganzen biologischen, medizinischen Entwicklung.

00:04:19: Ohne Virus wären wir ja nirgends.

00:04:23: Man muss auch entdecken, wie das Virus funktioniert.

00:04:27: Aber ohne Virus können Sie es nicht entdecken.

00:04:30: Das ist die absolute Basis.

00:04:31: Das ist die

00:04:32: Voraussetzung zum Weiterforschen.

00:04:34: Was hat Sie an diesem Virus ein Leben lang fasziniert, wenn man das so sagt?

00:04:39: Ja, ich glaube, es ist halt einfach, wie soll ich jetzt sagen, ich habe mich so co-entwickelt.

00:04:46: Ich sage zum Beispiel, ich bin ein systemischer Typ oder ich sage ihm, ich bin nicht der organen Typ oder mich interessiert eigentlich die Breite einer Krankheit.

00:04:54: Und wenn eine Krankheit breit ist, ist das AIDS, also das Virus, das ist so vielfältig.

00:05:01: Es hat so viele verschiedene Gesichter, oder?

00:05:05: Und das ... zusammen mit der Biologie.

00:05:08: Ich glaube, das hat mich einfach wahnsinnig gepackt.

00:05:12: Weil es ist auch wirklich ein unglaublich interessantes Virus.

00:05:18: Weil es ist latente, man kriegt es nicht raus.

00:05:22: Es sind ganz verschiedene Zelttypen.

00:05:25: Es hat eine eigene Immologie.

00:05:28: Zum Beispiel die Antikörperantworten, die sind nicht einfach so wie bei anderen Viren.

00:05:32: Und das zusammen mit meiner Entwicklung als junger Arzt, der in diesem Zürich studiert hatte und diese unglaublichen Schäden an uns Menschen gesehen hat.

00:05:52: Das hat man ja gesehen.

00:05:54: Man hat ja einen Blottspitze gehabt.

00:05:56: Das war ja nicht etwas, das man ausblenden konnte.

00:06:00: Sicher nicht, wenn man Medizin studiert hatte.

00:06:03: Und dann habe ich auch persönlich im Umfeld eine Freundin, eines Freundes gehabt, die dann plötzlich krank wurde und dann gestorben ist.

00:06:13: Und ich habe eigentlich erst relativ gegen Ende ihres Lebens, das war im, ich glaube, achtunddachzig Jahr.

00:06:20: Da habe ich dann realisiert, dass sie AIDS hatte, oder?

00:06:23: Weil sie hat es mir auch nicht gesagt, ich war nicht so nah.

00:06:26: Und eben, es ist immer näher gekommen, oder?

00:06:29: Und das hat mich dann irgendwie so gepackt, ja.

00:06:33: Die Therapieformen haben sich eher unglaublich entwickelt und zum Glück auch im positiven Sinn verändert.

00:06:41: Aber welche Lebenserwartung hatte damals vor dreißigvierzig Jahren ein junger Betroffener?

00:06:47: Wie lange konnte er in der Regel trotz dieser Infektion noch leben?

00:06:53: Formal war, ist es so, nach Diagnose hat man herausgefunden, dass man so nach acht bis zehn Jahren AIDS entwickelt und ... Nicht nach Diagnose, sondern nach Infektion.

00:07:05: Und dass man dann nach etwa zehn bis zwölf Jahren eigentlich das fünfzig Prozent sterben.

00:07:11: Aber damals war es natürlich so, dass viele Leute schon länger infiziert wurden.

00:07:16: Man wusste es nicht.

00:07:17: Also waren sie viel weiter schon und kommen eigentlich zu einer sehr späten Zeit.

00:07:23: Also ich kann Ihnen einfach ein Beispiel sagen, ich habe dann ... in der Sprechstunde gearbeitet, wo wir vor allem oder fast nur halfinfizierte Menschen gesehen haben.

00:07:36: Und von meinen Patienten damals sind wir mit dreißig in einem Jahr gestorben.

00:07:40: Also ich war damals dreißig und die Hälfte war sicher jünger als ich, oder?

00:07:46: Und die andere Hälfte ein bisschen älter, aber die waren alle praktisch unter vierzig.

00:07:50: Und das war natürlich schon eine ... unglaubliche Belastung auch.

00:07:57: Und wahrscheinlich hat mich das auch zu einem großen Teil in die Forschung getrieben, weil das war auch eine Art des Verarbetens.

00:08:05: Ich war nicht der politischen Mediziner.

00:08:08: Ich wollte irgendwie, dass wir vorwärtskommen.

00:08:11: Und das hat mich dann irgendwie ... Es hat mir ermöglicht, diese Krankheit auszuhalten.

00:08:19: Es war wirklich ... Es war unglaublich.

00:08:22: Dramatisch, oder?

00:08:23: Ich habe diese Menschen, ja, ich habe die, die kämmt man dann gut, oder?

00:08:28: Also die anderen auch natürlich, die nicht gestorben sind, glücklicherweise.

00:08:33: Übrigens, ich habe heute noch drei Patienten, Patienten aus jener Zeit, die ich immer noch betreue.

00:08:42: Also, einfach um zu sagen, wie die Zeiten eben auch geheim sind.

00:08:46: Doch

00:08:46: schon dann bestand eine gewisse Hoffnung, aber wie sah damals die Therapie aus?

00:08:51: Am Anfang haben wir vor allem die opportunistischen Erkrankungen versucht zu behandeln.

00:08:56: Also einfach die AIDS-definierenden Erkrankungen, z.B.

00:09:00: die genügend Girovetship Pneumonie, damals Carini, jetzt heißt sie Girovetship Pneumonie.

00:09:07: Dann ist das eine Bild, dann kommt das Komposis, dann zum Beispiel Lymphome hat es sehr viel gegeben.

00:09:15: Das ist eine Lymphdrüsenkrebserkrankung und ganz viele Sachen.

00:09:21: Und die haben wir einfach so gut wie möglich versucht zu behandeln.

00:09:24: Und man hat auch viele Studien gemacht, um die besser behandeln zu können.

00:09:29: Und dann gerade so ... In der Zeit, als ich begonnen habe, kam das erste Medikament auf den Markt, das Retrovir oder das AZT.

00:09:39: Da hat man gelernt, dass das ein bisschen den Verlauf hinauszögern kann, aber nicht wahnsinnig viel.

00:09:46: Aber immerhin.

00:09:47: So etwa ein halbes Jahr Lebensverlängerung hat man erreicht mit dieser Substanz, bei Leuten, die AIDS hatten.

00:09:55: Da hat es relativ starke Nebenwirkungen.

00:09:59: Und dann eben doch alle gestorben sind, die das hatten, hat er seinen sehr schlechten Ruf gekriegt.

00:10:05: Obwohl, es war extrem wichtig, weil es hat dann wirklich so den Pfad geebnet für den weiteren Forschungsverlauf.

00:10:15: Die Medikamente, man hat ja zum Teil um die fünf und dreißig verschiedene Tabletten schlucken müssen.

00:10:22: Wann, glaube ich, das darf man so sagen, auch toxisch?

00:10:25: Was haben Sie ausgelöst?

00:10:28: Also zuerst muss man mal sagen, eben im Sechsenneinzig, das war der absolute Durchbruch, als eben diese berühmte Dreierkombination aufgekommen ist.

00:10:36: Und das ist damals die Zeit gewesen, als man realisiert hat, okay, jetzt kann man den Krankheitsverlauf wirklich massiv in Auszügen bzw.

00:10:47: fast Retour machen, oder?

00:10:49: Man hat dann aber relativ schnell gemerkt, dass eben diese Kombinationen damals sehr schwer verträglich waren und auch doxisch waren.

00:11:00: Und eben eine Manifestation zum Beispiel, die wirklich für viele Leute sehr schwierig war.

00:11:06: Das waren so Nervenstörungen oder Polyneuropathie, also man hat Gefühlstörungen gekriegt und auch Schmerzen, zum Beispiel in den Füßen, an den Händen, Fingern.

00:11:17: dann hat es zum Teil eben diese Fettumverteilungen gegeben.

00:11:21: oder wo man das dann auch gesehen hat oder dass man hat am Bauch zum Beispiel zugenommen, man hat den Gesicht abgenommen und am ganzen anderen Arm an den Beinen ist quasi das Unterhautfettgewebe weggegangen und dann hat man plötzlich die Wänen gesehen.

00:11:38: Also wirklich schon eindrückliche und auch natürlich keine schönen Bilder.

00:11:45: Und dann hat es noch viele Nebenwirkungen gegeben.

00:11:48: Mehr im Blutbereich, also die Laborwerte, die dann nicht gut waren.

00:11:55: Dann musste man umstellen.

00:11:57: Es war wirklich eine Herausforderung.

00:12:00: Aber trotzdem, die Leute haben überlebt.

00:12:04: Das hat jeder gesehen.

00:12:05: Da brauchten sie jetzt keinen Statistiker.

00:12:09: Das war so.

00:12:10: massiv der Erfolg.

00:12:12: Die Leute sind ja z.T.

00:12:14: aus den Sterbehospizen zurückgekommen.

00:12:17: Die haben abgeschlossen, sind wieder auferstanden.

00:12:21: Es ist unglaublich.

00:12:24: Wie sieht die Behandlung heute aus?

00:12:26: Kann man sagen, es ist ein Virus, das zu einer chronischen Erkrankung führt, aber nicht in dem Sinne, wenn man die Therapie durchschält, zum Tod.

00:12:41: Wir glauben, oder es ist nicht glauben, wir wissen eigentlich heute ziemlich gut, dass wenn man die Therapien, die wir heute haben, einnimmt regelmäßig und keine anderen zusätzlichen Erkrankungen hat, dass die Lebenserwartung in etwa gleich ist wie bei nicht heufeinfizierten Menschen.

00:13:02: ist natürlich manchmal etwas schwierig, ganz sicher zu sein, weil viele Menschen mit HV haben zum Teil nach anderen Koinfektionen oder haben weiterer Erkrankungen.

00:13:13: Aber je länger wir jetzt schon das genau untersuchen, desto mehr gehen wir schon in diese Richtung.

00:13:20: Ja, wir können das nicht heilen bis jetzt, außer in etwa etwa sieben Fällen, wenn ich mich jetzt recht erinnere, wo man eben einen Knochenmarkstransmutationen gemacht hat bei Leuten mit Krebs, vor allem Leukämien.

00:13:34: Und da hat es bei eben etwa sieben zu einer Heilung geführt, aber das sind Therapien, die können sie jetzt nicht machen bei gesunden Menschen.

00:13:42: Aber es ist einfach interessant vom Konzept her, dass man wahrscheinlich irgendwann vielleicht doch mal dann eine Therapie zumindest sich vorstellen könnte.

00:13:53: Die zu einer Erratikation führt.

00:13:55: Aber eben im Moment haben wir eine chronische Virusinfektion, die wir aber wirklich gut kontrollieren können.

00:14:04: Meine Damen und Herren, die zuhören, dieser Podcast wird unterstützt von Gelia Sciences Switzerland.

00:14:10: Ein Unternehmen, das sich dafür engagiert, die HIV-Epidemie in der Schweiz, aber auch weltweit zu beenden.

00:14:18: zu den Zeiten am Anfang der AIDS-Epidemie.

00:14:22: Hat man ja Angst gehabt vor Ansteckung?

00:14:24: Das war ja zum Teil grässlich, dass man die Menschen nicht berühren wollte, dass Körperkontakt überhaupt nicht mehr möglich war.

00:14:33: Das ist ja auch ein Stress für den Erkrankten.

00:14:37: Angst vor Ansteckung, wenn man HIV-positiv ist, existiert die noch und ist sie berechtigt.

00:14:46: Man muss sich unterscheiden, wie in welchen Kontakten man tritt.

00:14:50: Also jetzt mal grundsätzlich, wenn ein Mensch mit HIV infiziert und ist nicht behandelt und ich z.B.

00:14:59: habe Kontakt mit dieser Person, einen normalen Kontakt, handschütteln, irgendwas umarmen, null Risiko, einfach Null.

00:15:06: Oder wenn ich natürlich mit einer solchen Person Sex habe, dann ist da ein Risiko.

00:15:12: Jetzt haben wir aber eben die völlig neue Situation jetzt auch schon länger, dass diese Menschen ja optimal behandelt werden und das Virus unterdrückt ist und die sind nicht infektiös.

00:15:26: Also das wissen wir, es gibt riesen Studien, da gibt es keine einzige Infektion.

00:15:32: Oder wenn man das Virus im Grunde nicht nachweisbar hat, ist man nicht infektiös und kann ungeschützten Sex haben.

00:15:40: Das ist eine Riesenerleichterung.

00:15:44: Das ist einfach toll, wenn man dann nicht mehr das Virus überträgt.

00:15:49: Ich frage mich trotzdem, warum ist das Virus noch nicht ausgerottet?

00:15:53: Warum existiert es immer noch?

00:15:55: Das ist die Biologie, die spezielle.

00:15:58: Das ist ein Retrovirus, das Retrovirus macht, wenn es eine ... Zelle befällt, eben meistens.

00:16:04: jetzt sage ich CD-IV-Zellen, das sind langlebige Zellen des Immunsystems, die Gedächtniszellen sind, also die müssen lange leben und dort hat das Virus eigentlich das Hauptreservat, also das Virus geht da rein in diese Zellen und da wird das Genom, also die RNA dann in DNA umgeschrieben.

00:16:26: und diese DNA wird dann in die Zell, DNA sind Zell.

00:16:31: Erbgut eingebaut.

00:16:32: Und zwar nicht immer am gleichen Ort, sondern an vielen verschiedenen Orten.

00:16:37: Dann sind diese Zellen in verschiedenen Organen.

00:16:40: Sie schwimmen im Blutrum.

00:16:41: Sie sind z.B.

00:16:42: in der Leber, in der Milz, im ganzen lymphatischen Gewebe, also Lymphknoten, Milz.

00:16:48: Und z.B.

00:16:48: in dem Darm entlang.

00:16:50: Da gibt es ganz viele lymphatische Gewebe.

00:16:54: Und dann auch im Hirn, oder?

00:16:55: Und jetzt muss man sich vorstellen, diese Zellen ... leben sehr lange, es gibt noch mehr Zellen, aber da gehe ich jetzt nicht darauf an, die leben per Definition lange und dann ist das eingebaut und dann gibt es einen Typ dieser Zellen, die sind dann eben ruhig, die bilden jetzt keine Viren, wenn man aber die Therapie wieder stoppt oder dann kommen die wieder hoch, diese Zellen werden durch irgendetwas vielleicht aktiviert, ein anderes Virus, ein Bakterium oder irgendetwas und dann wird wieder Virus produziert.

00:17:27: oder und das sind eben diese In den infizierten Zellen haben wir noch keinen Angriffspunkt gefunden, wie wir die nachhaltig vernichten können.

00:17:37: Also

00:17:38: ein cleveres Virus, um das etwas banal zu sagen.

00:17:42: Auf der anderen Seite frage ich mich dann eine lebenslange Therapie.

00:17:46: Bildet die dann auch Resistenzen, die gefährlich sein können?

00:17:52: weil sie dann auch übertragen werden und dann plötzlich die ganze Therapie vor und wieder infrage stellen.

00:18:00: Das haben wir auch intensiv studiert, auch in der schweizischen HV-Korren-Studie.

00:18:05: Und das war wirklich ein Problem.

00:18:08: jetzt, ich sage zu bis zwei tausend sieben, acht, neun, zehn.

00:18:14: Und dann haben wir zusätzliche, sehr gute potente Medikamente bekommen.

00:18:21: die uns noch erfolgreicher machten, das Virus wirklich zu unterdrücken.

00:18:26: Und da haben wir jetzt wirklich gelernt.

00:18:29: Da gibt es keine Resistenzen, wenn man diese Therapien richtig nimmt.

00:18:34: Wir sehen manchmal noch die Entwicklung von Resistenzen, aber das sind praktisch nur in Anführungszeichen.

00:18:41: Das findet man dann nur bei Menschen, die aus irgendwelchen Gründen die Therapien nicht einnehmen können, die man sollte.

00:18:47: Die Therapietreue ist, glaube ich, Ausschlaggebend oder auch nicht nur für einem selbst, sondern auch zur Verhinderung.

00:18:57: der Bildung von Resistenzen.

00:18:59: Gibt es dort Unterschiede unter den Geschlechtern oder dem Herkunft?

00:19:03: Haben Sie da Studien gemacht?

00:19:04: Ja, wir haben sehr viel Studien gemacht.

00:19:06: Wir haben eigentlich Hauptfaktoren.

00:19:10: gefunden, also zum Beispiel Leute, die psychische Probleme haben, das ist wirklich eine Herausforderung, ist eigentlich logisch, oder wenn sie eine schwere Depression haben, dann sehen sie den Sinn nicht, jetzt diese Medikamente zu nehmen.

00:19:23: Wenn sie zum Beispiel eine psychische Erkrankung im Sinn von Warnvorstellungen haben, haben sie auch Mühe.

00:19:30: Sucht natürlich, wobei gewisse Suchtprobleme, kann man die Leute gut motivieren, die Medikamente einzunehmen.

00:19:38: Gerade wenn das gekoppelt ist, z.B.

00:19:40: mit Opioidabgaben, das funktioniert hervorragend.

00:19:43: Genau, kann

00:19:44: man beide sozusagen geben.

00:19:46: Genau.

00:19:47: Zum Teil gibt es auch Kulturelle.

00:19:49: Ich sage mal, Missverständnisse oder gewisse Kulturen haben eher einfach ein weniger rationales Denken.

00:19:58: Und ich glaube in Anfangszeichen auch weniger, jetzt vielleicht diesen Medikamenten, oder glauben eher mal einem Heiler.

00:20:06: Und da muss ich schon sagen, da sind jetzt wirklich alternativmedizinische Vorgehensweisen

00:20:12: nicht

00:20:13: erfolgreich.

00:20:14: Ja, schon fast eine Sünde, oder?

00:20:16: Absolut.

00:20:17: Genau.

00:20:18: Man kann mal was dazu machen.

00:20:20: Aber man darf auf die Medikamente nicht

00:20:22: stoppen.

00:20:24: Weiss man näheres ... Über den Einfluss anderer Medikamente, wenn es noch andere Erkrankungen gibt, auf die Einnahme von HIV-Medikamenten?

00:20:35: Ja, da hat man ganz viel natürlich studiert.

00:20:38: Und gerade jetzt, bis vor etwa, sage ich, acht, zehn Jahren, hatten wir noch viel mehr Probleme, dass wir eben sogenannte Wechselwirkungen mehr beachten mussten mit anderen Medikamenten, aber die jetzt ... vor allem verwendeten Substanzen machen wirklich wenig, sogenannte Interaktionen.

00:21:00: Wir müssen immer noch schauen, aber das ist ein allgemein wichtiges Konzept in der Medizin.

00:21:06: Jeder Arzt, der etwas verschreibt, muss schauen.

00:21:09: Nicht nur wir in der HIV-Medizin, aber bei uns war es sehr ausgeprägt und jetzt haben wir doch, ich würde sagen, recht wenig Probleme.

00:21:19: Aber wir schauen nach wie vor.

00:21:21: Es ist ja ein erklärtes Ziel auch der WHO, die Krankheit und das Virus natürlich bis zum Jahr zwanzig, dreißig auszuroten.

00:21:29: Ist das überhaupt realistisch?

00:21:31: Wenn ich Ihnen jetzt zugehört habe, dann stellen Sie sich bei mir gewisse Zweiche.

00:21:36: Nein,

00:21:36: also ausroten das Virus, das ist absolut Jenseits.

00:21:40: Da müssten ja alle Menschen,

00:21:42: die

00:21:43: das Virus in sich tragen ... optimal behandelt werden und dann irgendwann eines natürlichen Todes sterben.

00:21:49: Und das wäre ja noch viel weiter weg.

00:21:52: Was Sie eigentlich sagen wollten, mit dem ist das jetzt nicht mehr vorkommen.

00:21:56: Aber auch das ist absolut nicht in der Nähe, dass wir da erfolgreich schaffen, weil erst einmal können wir nicht alle Menschen mit HIV erst einmal diagnostizieren.

00:22:08: Wir werden immer besser, aber ... Teilweise gibt es wieder Rückschritte mit der ganzen neuen amerikanischen Politik.

00:22:16: Es gibt sicher viele neue Infektionen weltweit, wie viele weiß niemand, auch in den USA selbst.

00:22:24: Die sind erstaunlich eigentlich nicht erfolgreich.

00:22:28: Sie sind super natürlich an gewissen Orten und Forschung und alles.

00:22:32: Aber jetzt auf Bevölkerungsebene ist das zum Teil extrem traurig.

00:22:37: Da gibt es Staaten, die haben ... deutlich schlechteren Therapieraten und auch Erfolgsraten, als z.B.

00:22:43: in Südlichen Afrika.

00:22:45: Das

00:22:46: ist ein verrückter oder liegt an einem Gesundheitssystem, das in dem Sinne, ich sage das in Anführungs- und Schlusszeichen, elitär ist.

00:22:54: Und die benachteiligten Menschen ... keinen Zugang dazu haben, oder?

00:22:59: Absolut,

00:23:00: oder?

00:23:01: Und das ist, ich glaube, das ist die größte Herausforderung.

00:23:04: Jetzt, global auch für uns in der Schweiz, natürlich, dass wir so viel wie möglich aller Menschen, die mit HIV Leben erreichen können, und dass die auch das Vertrauen zu uns natürlich haben, dass wir sie richtig behandeln, dass wir eben ... Sie auch anständig behandeln, oder?

00:23:22: Und das ist etwas, was wir, denke ich, in der Schweiz reich gutmachen.

00:23:26: Wir geben in unserem Fernfall alle Mühe, die wir können.

00:23:29: Aber in der ganzen Welt ist das natürlich nicht der Fall.

00:23:32: Denken Sie jetzt an die östlichen Länder?

00:23:34: Denken Sie an Russland?

00:23:35: Das ist ja katastrophisch.

00:23:39: Es ist ein heitels Thema, aber ich möchte es trotzdem ansprechen.

00:23:43: Durch die Migration ... Auch in unserem Land gibt es da wieder andere, sagen wir mal, Weichenstellungen in der Entwicklung von der Übertragung dieses Virus?

00:23:57: Also ich denke, es ist natürlich ein Gebiet, das wir extrem gut beobachten müssen.

00:24:04: Und das machen wir auch.

00:24:05: Wir versuchen, das so gut es geht, aufzubröseln.

00:24:10: Was wir jetzt gerade versuchen herauszufinden, ist, wie viele der Migranten, die eine HIV-Infektion haben, diese zum Beispiel schon mitbringen oder dann in der Schweiz erwerben.

00:24:23: Und das sind wir dran.

00:24:26: Wir können es nicht genau sagen.

00:24:28: Aber es ist sicher so, dass ein Teil dieser Menschen natürlich schon die Infektion mitbringt.

00:24:34: Aber wir haben eine frühere Studie gemacht, die recht gut ist.

00:24:39: Und da haben wir zum Beispiel mittels, so genannt ... der stammesgeschichtlichen Vergleichen von Virussequenzen in anonymisierter Form haben wir einfach geschaut, ob wir Infektionsketten sehen, zum Beispiel von Stämmen, die wir wissen, die meistens von Migranten kommen und da haben wir zum Beispiel nie lange Übertragungskäten gesehen, oder?

00:25:03: Und das ist zum Beispiel etwas anderes.

00:25:05: Wenn wir eine Betragungskette anschauen von Menschen aus der Schweiz, v.a.

00:25:11: Männer, die Sex mit Männer haben, da hat es sehr lange Infektionsketten.

00:25:16: Von dem, was wir schon wissen, kann man sicher sagen, es ist kein grosser Anteil, dass Leute, die in die Schweiz kommen, große Epidemie verursachen.

00:25:26: Das wissen wir aber.

00:25:27: was wir noch nicht genau wissen, was zum Teil in diesen Gruppen passiert.

00:25:32: Das möchten wir natürlich herausfinden, damit wir danach gezielter.

00:25:36: eben Prävention betreiben können.

00:25:38: Und das ist schwierig, weil das sind ja zum Teil ganz eigene Kulturen, oder?

00:25:43: Und da kommt man auch nicht einfach so rein.

00:25:46: Und deshalb versuchen wir, das eben noch besser herauszufinden und gezielter angehen zu können.

00:25:52: Sie waren lange bis vor kurzem Präsident der Schweizerischen Kohorteforschung.

00:26:00: Weiss man, wie viele Menschen sich in der Schweiz jährlich neu anstecken?

00:26:05: Ja, das wissen wir ungefähr.

00:26:07: Die Zahlen sind auch recht zurückgekommen.

00:26:11: Also jetzt sind wir so, ich sage jetzt so zwischen wahrscheinlich dreiehundertfünfzig, vierhundert.

00:26:19: Irgendso in diesem Bereich bewegen wir uns.

00:26:22: Die Anzahl bei Migranten nimmt eher zu als einfach von diesen neu detektierten Infektionen.

00:26:30: Wir machen jetzt schon seit vielen Jahren die sog.

00:26:35: Pre-Expositionsprophylaxe, wo Menschen, die nicht halfinfiziert sind, aber ein... größeres Risiko haben, eine solche zu bekommen.

00:26:44: oder die können Medikamente nehmen und das wird auch in einem Programm Swiss Prepared heißt, dass auch die Korte aufgebaut hat jetzt zusammen mit dem BAG und so weiter, wo ich versuche neben solchen Menschen diesbezüglich zu behandeln und das greift schon.

00:27:03: In dieser Gruppe sehen wir wirklich eine Abnahme und das ist dann auch ein bisschen eine relative Verschiebung.

00:27:10: Aber eben, wir müssen noch bessere in die anderen Risikogruppen

00:27:15: kommen.

00:27:15: Die Einkommen, die Ihre Verhaufensweise abkennen.

00:27:19: Wie und wo stecken sich dann diese Menschen an?

00:27:22: Wissen Sie da Neres?

00:27:25: Ja, ich meine, das sind natürlich ja halt schon Leute, die zum Beispiel viele verschiedene Partner-Partnerinnen haben.

00:27:33: Also das ist ganz klar, wo man die Leute vielleicht auch nicht gut.

00:27:37: Es gibt nach wie vor natürlich käuflichen Sex.

00:27:40: Die Schutzvorkehrungen, die sind allgemein, da meine ich jetzt auch Kondome, die werden weniger gebraucht, auch weil wir so erfolgreich waren mit der HFMedizin oder die Leute kriegen das irgendwie mit.

00:27:55: Also die Entschuldigung, die Therapiemöglichkeiten

00:27:59: machen

00:28:00: in dem Sinne übermütig.

00:28:02: Ja, das kann man schon sagen.

00:28:04: Oder ich meine, die Leute sehen ja, okay, es gibt viel weniger Ansteckungen.

00:28:10: Man stirbt nicht mehr an den HF, es ist nicht mehr so wild.

00:28:14: Da gibt es halt schon Leute, die sagen dann, ja, ja, mich trifft das jetzt nicht.

00:28:19: Sechs ist ja häufig auch nicht so rational.

00:28:21: Dann gibt es halt wieder mal Ansteckungen.

00:28:23: Das andere ist natürlich auch, dass gewisse Leute gehen natürlich auch in Hochprävalenzländer und haben dort Risikokontakte.

00:28:32: Und dann hat man natürlich dann eine viele höhere Wahrscheinlichkeit jemanden zu treffen, der HIV oder die HIV hat.

00:28:38: Also es werden dann die negativen Souvenirs eine Reise oder die man mitbringt.

00:28:43: Genau, genau.

00:28:44: Das gibt es nach wie vor.

00:28:45: Und eben, wir sehen ja auch fast ein bisschen dramatisch, oder wie zum Beispiel die handensexuell übertragbaren Krankheiten wie die zunehmen.

00:28:52: Genau, das zeigt ja, wir schützen uns nicht mehr konventionell mit.

00:29:00: Grundsätzlich benutzen das von Kondomen, was ja eigentlich etwas Einfaches wäre.

00:29:05: Man hat völlig vergessen gegangen, weil keine Kampagnen mehr laufen oder einfach, weil man denkt ja nun, alle Geschlechtskrankheiten, inklusive HIV, kann man ja therapieren.

00:29:18: Also Blöcke sagt, der Erfolg der Medizin frisst seinen Erfolg selber auf.

00:29:23: Ja, ich denke teilweise ist das schon ein bisschen so.

00:29:26: Ich persönlich finde eigentlich ... Das Kondom sollte weiterhin einen sehr hohen Stellenwert haben in der Prävention.

00:29:35: Weil es ist wirklich einfach erfolgreich.

00:29:38: Was haben wir ja gesehen?

00:29:39: Und einfach?

00:29:39: Es ist unzimpel und billig.

00:29:41: Kein Medikament.

00:29:43: Genau.

00:29:43: Es ist wirklich auch billig, oder?

00:29:46: Natürlich, die normalen oder die gewöhnlichen sexuellen Betrag waren Krankheiten, die bringen die Menschen relativ wenig um oder selten, oder?

00:29:55: weil wir sie ja eben behandeln können.

00:29:57: Aber es gibt natürlich dann auch wieder Probleme mit Resistenzentwicklung, z.B.

00:30:01: gerade Tripper-Gonorö, das ist weltweit zum Teil jetzt ein Problem, oder?

00:30:06: Dann bei der Siviles, das geht jetzt auch langsam, auch den Tripper übrigens zu.

00:30:11: Die Diagnose ist ja auch ein Problem,

00:30:13: oder?

00:30:13: Genau, und das geht jetzt auch mehr.

00:30:15: von den Männern wieder zu den Frauen.

00:30:18: Und dort gibt es dann die konatale Sivillis, also bei den Kindern, also Säuglingen, das Neugeborenen.

00:30:26: Das sind dann ganz schwere Schäden.

00:30:28: Und in den USA hatten sie letztes Jahr etwa dreitausend konatale Sivillitäten.

00:30:33: Und das haben wir früher jetzt wirklich nicht mehr gehabt.

00:30:36: Also da passieren Dinge, die schon gefährlich sind.

00:30:39: Da müssen wir eben einfach schauen, dass das nicht weiter passiert.

00:30:42: Und deshalb finde ich einfach, ja, man sucht.

00:30:46: wenn man verantwortungsvoll

00:30:48: aufsetzt

00:30:49: genießen will und sich und den Partner oder die Partnerin schützt.

00:30:54: Zumindest

00:30:55: bis man sich dann vielleicht getestet hat oder im optimalen Fall und dann weiß man beide nix und dann kann man die Kondome in die Ecke stellen.

00:31:03: Aber einfach in diesen Situationen, wo man eben nicht genau weiß, was los ist, finde ich Kondome nach wie vor extrem wichtig.

00:31:11: Gibt es einen Zusammenhang zwischen HIV und Hepatitis B und C?

00:31:17: Die Übertragungswege sind praktisch gleich, vor allem bei B. B wird ja sexuell übertragen, oder mit der Kind oder mit Blubrodukten.

00:31:29: Von dort her ist einfach der Übertragungsweg dergleiche.

00:31:32: Nur ist es ein Riesenunterschied, dass Hepatitis B eine sehr gute Impfung hat.

00:31:37: Wir haben eine sehr gute Impfung.

00:31:39: Das ist bei uns im Impfplan.

00:31:41: Kinder sollten Gimpf sein und das ist auch in vielen anderen Ländern, ich würde sagen, recht gut.

00:31:47: Diesbezüglich hat Hepatitis B natürlich auch ein riesen Vorteil, oder?

00:31:52: Und wenn man eine Hepatitis B hat, können wir die mittlerweile auch eigentlich gut behandeln, einfach auch chronisch.

00:31:59: Wir können Hepatitis B eigentlich auch nicht erodizieren.

00:32:03: Es gibt schon eine etwa sechzig-siebzig Prozent der Menschen, die ... können Hepatitis B selber klären bzw.

00:32:13: so unterdrücken, dass es entscheidlich ist, aber die anderen haben daneben die chronische Hepatitis B. Und bei Hepatitis C ist es endlich nur, Hepatitis C ist sexuell deutlich weniger gut übertragbar, aber es ist auch übertragbar, aber einfach weniger effektiv.

00:32:30: Und dort haben wir jetzt keine Impfung, aber wir haben heilende Therapien.

00:32:34: Und das ist natürlich ein Wahnsinnserfolg medizinischer Natur, oder dass wir jetzt Hepatitis C in neunundneunzig, fünf Prozent heilen können.

00:32:45: Folgeerkrankungen, trotz all den medizinischen Fortschritten.

00:32:51: Was könnte es sein?

00:32:53: Ich höre immer wieder, es könnte Diabetes sein, es könnte Dement sein.

00:32:58: Wie sehen Sie das aus Ihrer Erfahrung?

00:33:00: Das sind sicher absolut wichtige Überlegungen, nämlich diese Komorbiditäten.

00:33:08: Das ist z.T.

00:33:09: recht schwierig, einen anderen zu dividieren.

00:33:11: Oder was ist jetzt die natürliche Entwicklung?

00:33:15: Wie Alten.

00:33:16: Viele dieser Erkrankungen kriegen wir auch, wenn man altert.

00:33:20: Wenn man übergewichtig wird, viele Menschen im normalen Leben werden das ja auch.

00:33:25: Das hat gar nichts mit HfA zu tun.

00:33:28: Menschen, die mit HFL haben tendenziell mehr noch Komorbidität.

00:33:33: Wir haben übermäßig viele Raucher nach wie vor bei HFL-Empfazierten.

00:33:39: Man wird auch besser.

00:33:41: Wir versuchen, das zu verbessern.

00:33:44: Zum Teil haben die Leute noch eine rechte Hypothek von den Zeiten, in denen sie noch suboptimal behandelt waren.

00:33:54: Da versuchen wir extrem viel herauszufinden.

00:33:57: Wir haben zum Beispiel in der schweizischen AV-Kortenstudie eine große Studie gemacht, wo wir z.B.

00:34:02: die Menschentwicklungen angeschaut haben.

00:34:05: Da haben wir gesehen, dass bei uns in der Korte über die Zeit das abnimmt.

00:34:11: Wir haben eine deutliche Verbesserung diesbezüglich.

00:34:15: Und auch in unserem Kollektiv sehen wir z.B.

00:34:19: nur einen kaum nachweisbaren Unterschiede, wenn überhaupt, zwischen kardiovaskulären Erkrankungen, also der Herzinfarkt und Schlaganfälle mit der Normalbevölkerung.

00:34:32: Aber das ist wahrscheinlich einfach, weil unsere schweizerische Bevölkerung, die mit Häufer lebt, sonst doch relativ gesund lebt und auch gut betreut wird.

00:34:46: In anderen Ländern haben sie viel mehr.

00:34:48: von diesen Komorbitäten, Und zum Beispiel Diabetes sehen wir erstaunlich wenig eigentlich, oder?

00:34:55: Aber wir schauen genau hin.

00:34:58: Wir sind auch in großen Zusammenarbeiten dabei mit unserer Kurte, wo wir eine Langzeit-Nebenwirkungen anschauen von diesen Medikamenten, oder?

00:35:08: Und da sehen wir zum Teil ein bisschen ein Signal, dass vielleicht ein bisschen mehr Herz-Kreislauferkrankungen auftreten können beim einem Medikament, aber ... Die Studiensituation ist nicht so klar, dass wir jetzt irgendwie sagen, dieses Medikament brauchen wir nicht mehr.

00:35:26: Wir sind einfach im Forschungsbereich aktiv und versuchen zum Teil herauszufinden, warum.

00:35:31: Aber die alten gefährlichen Medikamente, es hat eines mal gegeben, das hat mehr Bauchspeicheldrüstenentzündung gemacht oder Diabetes, das sind wir weit davon entfernt.

00:35:44: Wie wichtig.

00:35:45: Sie haben es jetzt ein paar Mal erwähnt und wir haben das nur ein bisschen gestreift.

00:35:49: Die Kortenstudie, wie wichtig ist die?

00:35:53: Hier haben Sie ja wirklich lange begleitet und waren ein großer Verfechter

00:35:59: auf dieser Studie.

00:36:00: Ja, ich glaube, es ist extrem wichtig.

00:36:02: Also ich bin ein absoluter Verfechter.

00:36:06: Ich finde sogar, es ist eigentlich so, soll man eine chronische Erkrankung studieren.

00:36:11: Also es ist absolut ... nicht nach dem Bauern sonst.

00:36:17: Wir sammeln ja einerseits ganz viele Verhaltensdaten, wir sammeln Krankheitsdaten.

00:36:23: Wer bekommt, welche Krankheit wann.

00:36:25: Und zwar genau diagnostiziert oder nicht einfach ein bisschen was aufgeschrieben.

00:36:30: Die Qualität unserer Diagnosen ist besser als in den Spitälern.

00:36:33: In den Spitälern gibt es die Diagnosen, die gemacht werden, wegen Kosten, damit man ein bisschen mehr verdient.

00:36:40: Und das haben wir nicht.

00:36:42: Dann haben wir die Komedikation erfasst.

00:36:44: Wir haben noch weitere Erkrankungen und dann auch Informationen natürlich bezüglich früherer Erkrankungen.

00:36:53: und dann haben wir eine Biobank oder wir haben mehr als zwei Millionen Blutproben.

00:36:59: Über die Zeit können wir das Virus studieren.

00:37:01: Wir können jetzt moderne Methoden anwenden, Proteomics.

00:37:06: Wir können breit neutralisierende Antikörper suchen.

00:37:09: Wir können auch Basic Science, naturwissenschaftlich, Grundlagen, Forschungsprojekte durchführen.

00:37:16: Und wir können auch Patientengruppen auswählen, die dann geeignet werden für gewisse Studien.

00:37:27: Und das ist auch etwas, also nur ein Beispiel, noch etwas ganz anderes.

00:37:33: Als Covid kam und die erste Impfung kam, da waren die ersten Leute, die geimpft wurden bei uns an Munizlital Zürich, das waren häufig einbeziehrte Menschen, weil wir sofort alle Informationen hatten, die man brauchte, um eben zu sagen, die kriegen sie oder nicht.

00:37:49: Also einfach auch diesbezüglich ist das ein super Tool, oder?

00:37:54: Ja, wir haben auch zum Beispiel in der Schweizer Schnauferkurren-Studie gezeigt können, dass wir praktisch Hepatitis C erradiziert hatten mit einer interventionellen Studie.

00:38:05: Also auch das ist extrem gut für die Gesellschaft als Ganzes.

00:38:10: Was wir jetzt dem Schweizerischen Gesundheitswesen an Kosten gespart haben, das ist enorm.

00:38:16: Auch weil wir die Leute so gut behandeln, wir behandeln sie wirklich gut.

00:38:20: dass sie nicht mehr infektiös sind und, und, und.

00:38:24: Wir detektieren auch häufig z.B.

00:38:27: Krebs im Frühstadium.

00:38:29: Oder weil wir sehen ja die Leute, sie kommen.

00:38:32: Also wir oder Kardiowasculare kommen, oder wir schicken häufig die Leute natürlich zum Kardiologen, bevor er einen infarkt hat, die Person.

00:38:41: Also auch die Vorsorge ist enorm gut.

00:38:43: Also von dort her ... Es gibt auch nur positive Aspekte.

00:38:47: Schön.

00:38:48: Ich möchte noch einmal zurückkommen auf die Entwicklung neuer Medikamente, die Preps, oder?

00:38:56: Ich finde die, wenn ich das so mal in eine Frage packen darf, etwas fragwürdig.

00:39:03: Sie ermutigen eigentlich, ohne Eigenverantwortung auch Risiko, Reichen sechs zu haben.

00:39:13: Was sehen Sie für Vorteile jetzt, wenn ich schon mal ein bisschen auf die Nachsteile hingewiesen habe?

00:39:20: Ja, eben, das ist natürlich eine große Frage und ich persönlich sehe das relativ pragmatisch im Sinne, oder es gibt einfach Menschen, Die haben jetzt Risikoreichen sechs.

00:39:32: Wir sind in einer freien Gesellschaft.

00:39:36: Und ich finde, das ist auch gut so.

00:39:39: Und deshalb haben wir jetzt die Möglichkeit, eben diese Prep zu geben, diesen Menschen.

00:39:46: Das heißt nicht, dass wir jetzt jedem, der ein bisschen mal einen Risikosechs hat, das geben müssen.

00:39:52: Aber es gibt halt schon diejenigen, die immer wieder haben.

00:39:56: Es gibt ja auch Chemsechs.

00:39:57: Es gibt Leute, die nehmen eine gewisse ... Drogen, um jetzt besonders irgendwie aufregenden Sex zu haben.

00:40:06: Und diese Leute, die haben dann noch viel mehr Risiken.

00:40:10: Wenn wir denn die Prep geben können, dann ist das natürlich ein Megaeffekt.

00:40:15: Und das sieht man auch.

00:40:16: Das ist schon diesbezüglich wichtig.

00:40:18: Aber wir müssen versuchen, die Leute eben zu erreichen, die Risiken haben.

00:40:23: Und ich glaube, das ist mir nicht so schlecht jetzt in der Schweiz.

00:40:27: Gibt es in Zukunft eine Impfung?

00:40:30: gegen HIV?

00:40:31: Ja, ich hoffe es.

00:40:33: Ich glaube immer noch, dass wir unbedingt weiter forschen müssen.

00:40:38: Wir sind selber auch recht stark involviert in der Schweizerischen HIV-Gott-Studie.

00:40:45: Wir müssen einfach noch mehr die Biologie verstehen, weil eben die Immunantwort gerade, was die Antikörperbildung anbelangt, ist wirklich anders als bei anderen Viruserkrankungen.

00:40:56: Und es ist so, dass gewisse Menschen so genannte Brei-Neutralisierende Antikör produzieren können.

00:41:03: Das heißt, das Immunsystem ist eigentlich grundsätzlich feig, aber wir können es noch nicht richtig in diese Bahnen bringen.

00:41:12: Und das ist wichtig, dass wir das noch lernen.

00:41:16: Und ich glaube auch, diese Mechanismen sind nicht nur für häufig wichtig, das sind fundamentale biologische Prozesse oder Mechanismen.

00:41:25: die wir einfach irgendwo am Knocken müssen.

00:41:27: Es gibt ja vielleicht noch andere Virus, die irgendwo lauern.

00:41:33: Covid war ein Beispiel, oder in dem Sinne, wie zerbrechlich eine Gesellschaft werden kann aufgrund von so einer Epidemie.

00:41:42: Und deshalb sind Forschungen auf diesem Gebiet ausschlaggebend, weil sie natürlich auch ein Reservoir an zusammenhängen.

00:41:51: klären können, die dann vielleicht später mal wichtig werden.

00:41:54: Absolut.

00:41:55: Und eben, HIV ist auch nicht so los, oder?

00:41:57: Die kamen von den Affen und das wissen wir, oder?

00:42:00: Genau.

00:42:00: Sie stehen am Ende jetzt ihrer aktiven Karriere hergehend und haben ein Leben lang wirklich sich mit HIV und AIDS beschäftigt.

00:42:10: Was sind Ihre wichtigsten Learnings?

00:42:15: Ja, das ist eine große Frage.

00:42:18: Also eben, ich habe gelernt in der HIV-Pandemie, dass wir aus einer desperaten Situation herauskommen können.

00:42:25: Also als ich da als begonnen habe, als junger Assistent, da haben mir die Kollegen zum Teil mit denen ich studiert hatte gesagt, bist du wahnsinnig da irgendwie zu arbeiten.

00:42:36: Das Medizin

00:42:37: will man heilen

00:42:38: und nicht tote begleiten.

00:42:39: Du hast ja keine Chance, oder?

00:42:42: Und ich war zum Teil wirklich selber, ich war wirklich am Rande von meiner geistigsten Fähigkeit im Sinne, dass ich das noch verarbeiten konnte.

00:42:53: Und eben dann zu sehen, dass wir doch irgendwie besser werden können.

00:42:57: Und ja, und einfach auch zusammen mit den Menschen, also das hat mich immer unglaublich beeindruckt von den Menschen, die mit Häufer leben und gelebt haben, wie die auch mitmachten an der Entwicklung.

00:43:12: Die machen in der Korte mit, die machen in klinischem Studium mit.

00:43:17: Und die Szene ist auch.

00:43:19: Wir geben uns Mühe, haben natürlich nicht immer gleich Erfolg, aber zusammen kommt man weiter.

00:43:26: Und das ist etwas für mich vom Schönsten überhaupt, das ich gesehen habe.

00:43:30: Und ich habe ja auch viel Covid-Forschung gemacht.

00:43:33: Das war ganz faszinierend zu sehen, wie dort die Bereitschaft der Menschen ... in Studien mitzumachen, die waren viel kleiner.

00:43:41: Und das hat auch damit zu tun, dass durch diese Menschen zum Teil viel weniger eine Ahnung hatten, der Krankheit.

00:43:48: Ich war alles ganz neu.

00:43:49: Und im HF hat das so richtig, das war so ein Lerneffekt.

00:43:54: Alle haben das gelernt, wir müssen jetzt zusammenhalten, wir müssen gemeinsam eben Vorschub machen.

00:44:02: Und das war jetzt bei Covid wirklich viel weniger der Fall.

00:44:05: Das war noch faszinierend.

00:44:08: Ja, und dann natürlich einfach zu sehen, was es für geniale Forschende gibt.

00:44:13: Ich meine, da muss man schon sagen.

00:44:15: Die Leute, die den Lebenszyklus beschrieben haben, dieses Virus, als man es mal isoliert hat.

00:44:22: Das sind aber Tausende von Doktoranden und Postdoktoranden, die ... die da kleine Beiträge geleistet haben, damit man dann eben die Medikamente entwickeln konnte.

00:44:35: Das waren vor allem akademische Labours oder im Nachrat die große Formen, das weiterentwickelt und so weiter.

00:44:41: Das ist auch ein unglaubliches Zeichen, was eine ... gut organisierte und finanzierte Forschung leisten kann.

00:44:53: Da muss man auch ganz klar sagen, da braucht es breite Forschung.

00:44:58: Man kann nicht schon am Anfang sagen, ich will dieses Medikament entwickeln.

00:45:02: Man muss zuerst die Basis des Lebenszyklus verstehen.

00:45:07: Und das, denke ich, ist in der heutigen Zeit extrem wichtig, weil jetzt ist ja viele Länder, oder nicht nur die USA, oder die sagen immer mehr, ich muss nicht gezielt forschen, oder wir müssen ganz gezielt forschen.

00:45:20: Ich meine, Sie können nicht gezielt forschen, wenn Sie das Ganze nicht verstehen.

00:45:24: Und das sind Dinge, die wir bei HIV wahnsinnig gut gelernt haben.

00:45:29: Und noch etwas, wir haben ganz viel von HIV auf andere.

00:45:34: Erkrankungen übertragen können.

00:45:37: Eineseits Technologien, die entwickelt wurden.

00:45:40: Die Covid-Epidemedia hat wahnsinnig profitiert von der gesamten HIV-Forschung.

00:45:45: Weil die Methoden waren da, wie man etwas angeht.

00:45:49: Das war schon da.

00:45:50: Da konnte man einfach zack auf die nächste Schiene gehen, aber mit den Werkzeugen, die man hatte.

00:45:57: Das war ganz eindrücklich.

00:45:59: Und natürlich auch, was ich ... unglaublich spannend finde und immer noch etwas vom schönsten überhaupt jetzt neben der medizinischen Arbeit mit den Patienten einfach mit den verschiedenen Forschungsrichtungen zusammenzuarbeiten, wie die verschiedenen Hirnen einfach besser sind als eines alleine und das ist unglaublich bereichern.

00:46:21: Prof.

00:46:22: Günther, ich danke Ihnen ganz herzlich für dieses offene und auch für mich absolut spannende Gespräch und wünsche Ihnen auch für Ihre Zukunft noch viele weitere Erkenntnisse, nicht nur rund um HIV, sondern auch Integration in Forschungsaufgaben, die Sie vielleicht auch weiter begeistern.

00:46:42: Ich danke Ihnen herzlich.

00:46:44: Danke Ihnen.

00:46:46: In der nächsten Folge, meine Damen und Herren, unterhalte ich mich mit Frau Prof.

00:46:51: Helen Kovari-Kramer.

00:46:54: Dabei stehen folgende Fragen im Raum.

00:46:57: Wie wird man mit HIV älter?

00:47:00: Was sind die größten psychologischen und psychischen Belastungen?

00:47:05: Deshalb freue ich mich auch, wenn Sie dann wieder mit dabei sind.

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